Saarländischer AnwaltVerein verleiht Querdenker-Preis


Eine Initiative, ein Anfang, eine Premiere! Auch die erstmalige Verleihung des Querdenker-Preises, initiiert durch den Saarländischen AnwaltVerein, ist ein solcher Anfang. Mit dem Querdenkerpreis soll eine Person ausgezeichnet werden, die sich in besonderer Art und Weise um das Recht in all seinen möglichen Ausprägungen und Facetten, in seiner das gesellschaftliche Zusammenleben ordnenden und strukturierenden Funktion verdient gemacht haben.

Im Zentrum der Auszeichnung, die alle zwei Jahre verliehen werden soll, steht neben dem Verdienst um das Recht auch der persönliche oder sachliche Bezug zum Saarland und damit zu allen Saarländerinnen und Saarländern. Nur wenn wir alle, die wir in diesem schönen und lebenswerten Bundesland leben und arbeiten, auch unseren Beitrag zu einem gedeihlichen Miteinander der Menschen und Generationen, aber auch der Institutionen leisten, kann dies auch in der Zukunft Bestand haben. 

So die Pressemitteilung des Saarländischen AnwaltVereins zur ersten Ausschreibung des Querdenkerpreises. 

Und wer wurde bei der erstmaligen Preisverleihung bedacht? Nikolaus Warken!

Nikolaus Warken starb am 24. August 1920 in Hasborn. Am vorigen Dienstag wurde dem ehemaligen Bergmann der Querdenker-Preis des Saarländischen Anwaltvereins (SAV) verliehen. „Der Preis soll die besondere Bedeutung des Rechts für das menschliche Miteinander hervorheben“, erklärte SAV-Präsident Olaf Jaeger im Rathaus der Stadt, „und er soll die Menschen ehren, die einen großen Beitrag zum Erhalt des Saarlandes, seiner Institutionen und seines gemeinschaftlichen Miteinanders leisten oder geleistet haben“. Dabei habe man vor allem Menschen im Blick, die sich eher nicht hauptberuflich mit der Juristerei beschäftigen.

Nikolaus Warken, genannt Eckstein, war der Streikführer beim Arbeitskampf der Bergleute zwischen 1889 und 1893. „Warken hatte schon damals die Idee einer Einheitsgewerkschaft, einer Interessenvertretung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens“, sagte Regina Görner. Die ehemalige Frauen-Ministerin im Kabinett von Ministerpräsident Peter Müller war es auch, die Warken als ersten Preisträger vorgeschlagen hat. „Seine Idee war damals revolutionär und quer gedacht“, so Görner weiter.

Denn, weil die kaiserliche Verwaltung damals Versammlungen unter freiem Himmel verboten hatte, gründeten Warken und seine Mitstreiter den Rechtsschutzverein für die bergmännische Bevölkerung auch um den Rechtsschutzsaal im Friedrichsthaler Ortsteil Bildstock zu errichten. Für eine Mark und zwei Backsteine trugen die Bergleute zum Gelingen des Vorhabens bei. Der Rechtsschutzsaal ist ein Gebäude, mit dem man schlitzohrig das Versammlungsverbot aushebelte. „Der Rechtsschutzsaal war das erste gewerkschaftliche Gebäude im deutschen Reich“, sagte Friedrichsthals Bürgermeister Rolf Schultheis, der gemeinsam mit der Stiftung Rechtsschutzsaal für den Erhalt des Gebäudes und der Idee arbeitet, „seine herausragende Bedeutung war lange auch im Saarland nicht hinlänglich bekannt. Mit der Stiftung konnten wir viel für die Bekanntheit dieser Wiege der Gewerkschaften tun“.

Eckstein kämpfte damals für einen Tageslohn von vier Mark, den Acht-Stunden-Arbeitstag und gegen das Einschließen der Arbeiter im Bergwerk. „Damals war es Arbeit 1.0, heute reden wir über 4.0. Die Konfliktlinien sind nicht mehr so brachial, aber sie sind noch da“, sagte DGB-Saar-Chef Eugen Roth, „wenn heute die Geschichte des Bergbaus erzählt wird, vergisst man oft die Montanmitbestimmung. Die Anfänge dieser Errungenschaft mit Auswirkungen auf ganz Europa finden wir in Bildstock.“

Der Preis ist nicht mit finanzieller Zuwendung verbunden. Staatssekretär Roland Theis durfte in Beisein von Warkens Urenkeln Bernd und Alfons Besch eine vom saarländischen Künstler Franz Heiner Beek geschaffene Skulptur an Bürgermeister Schultheis überreichen. „Der Preisträger passt perfekt zur Grundidee des Preises“, so Theis. Nikolaus Warken, der als bescheiden und gottesfürchtig galt, wäre es vielleicht zu viel der Ehre gewesen. Er trat uneigennützig für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse ein und starb verarmt. Der Preis soll künftig alle zwei Jahre vergeben werden.