125 Jahre Rechtsschutzsaal


Freiheit – Brot – Gerechtigkeit!

Der Rechtsschutzsaal steht seit 125 Jahren für Solidarität

Der altehrwürdige Rechtsschutzsaal in Bildstock feierte vor wenigen Tagen sein 125-jähriges Bestehen mit einer Vielzahl von Gästen. Dank der Saarländischen Arbeitskammer und des Deutschen Gewerkschaftsbundes war es möglich gewesen, dieses große Fest auf die Beine zu stellen, bei dem um Spenden zur Unterstützung der Stiftung Rechtsschutzsaal gebeten wurde.
 
An dem Abend fand sich zahlreich die Prominenz aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben ein. Das Programm stellte vor allem die schweren frühen Jahre des Bergbaus an der Saar in den Mittelpunkt. Bürgermeister Schultheis erinnerte bei seiner Eröffnungsrede daran, dass Arbeitsrechte nicht vom Himmel fallen. Er betonte, dass sie immer wieder aufs Neue hart erkämpft werden müssen. Man müsse sich immer wieder in Erinnerung rufen, unter welch harten und leidvollen Bedingungen die  Bergleute und ihre Familien leben und arbeiten mussten.  

Im Verlauf seiner Festansprache gestattete Dietmar Geuskens, Vorsitzender des IGBCE-Bezirkes Saarbrücken, einen Blick auf die historische Entwicklung der Rechtsschutz-bewegung.

So sei innerhalb recht kurzer Zeit die Zahl der Bergarbeiter von etwa 4600 auf fast 19 000 angewachsen. Geuskens erinnerte an 12-Stunden-Schichten untertage und daran, dass die Bergleute in den Grubenstollen eingeschlossen wurden. Auch, dass die Absperrgitter den Nährboden des Protestes sprach Geuskens an – im späteren Verlauf des Abends ging auch die Hasborner Theatergruppe darauf ein.

Der in Hasborn geborene Nikolaus Warken organisierte die ersten Streiks unter der Fahne des Rechtsschutzvereines, um für die Bergleute und ihren Familien gerechtere Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu erlangen.  Da Versammlungen unter freiem Himmel nicht erlaubt wurden, errichtete man den Rechtsschutzsaal – nach einem Entwurf des Saarbrücker Architekten Heinrich Güth. Im Mai 1892 sollen Tausende von Bergleuten die Steine zum Baugelände gebracht haben.

Mit Hilfe von Industriellen-Familien wie Vopelius und Stumm habe man es jedoch geschafft, den 1889 gegründeten Rechtsschutzverein zu zerschlagen. „Die Preußische Bergverwaltung griff kompromisslos durch“, sagte Geuskens.

Eugen Roth, Vorsitzender des Beirates der Stiftung Rechtsschutzsaal und Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz/Saar und Landtagsabgeordneter hielt fest, dass es in Deutschland keinen Ort gebe, wo Sozialgeschichte so sehr geschrieben wurde. Er forderte eine höhere Förderung, damit das Angebot im Rechtsschutzsaal erweitert werden könne. Die Pläne dazu seien vorhanden, doch es fehle „die Kohle.“

Auf dem Programm des Abends stand auch eine Diskussionsrunde zur Zukunft der Industriekultur im Allgemeinen und des Rechtsschutzsaales im Besonderen. Dazu hatten sich hochrangige Vertreter der saarländischen Politik angesagt.

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger plädierte für „mehr Solidarität mit dem Haus der Solidarität“, etwa durch Gewerkschafts-Veranstaltungen vor Ort. Justiz-Staatssekretär Roland Theis  teilte mit, dass das Land voll hinter dem Saal stehe und regte an, ihn als Ort für soziale Debatten zu nutzen. Die Landtagsabgeordnete Barbara Spaniol  setzte sich für mehr Investitionen ein.

Aus dem Stück „Eckstein ist Trumpf“ hatten die Mitglieder des Theatervereines Hasborn auszugsweise einige Szenen zur Aufführung gebracht. Nicht fehlen durfte dabei die Erinnerung an die schweren Eisengitter, mit denen die Bergleute eingesperrt wurden. Aber auch die anderen unwürdigen Abhängigkeitsverhältnisse zu Vorgesetzten im Bergbau wurden eindrucksvoll dargestellt. Einmütig erklang die Forderung:  „Wir brauchen einen Rechtsschutzverein“.
Der Rechtsschutzsaal, der auch als „Haus der Solidarität“ bezeichnet wird, verdient es in seiner denkmalwürdigen Bedeutung betrieben und unterhalten zu werden. Dass dies nicht ohne eine verlässliche Finanzierung und Personalisierung geschehen kann, sollte allen Gästen des Abends klar geworden sein. Es steht nun zu hoffen, dass sich die Unterstützung nicht auf Lippenbekenntnisse beschränkt, sondern auch zeitnah auf dem Konto der Stiftung Rechtsschutzsaal spürbar wird.