Stadt Friedrichsthal - Von der Rußhütte nach Friedrichsthal zurück

Von der Rußhütte nach Friedrichsthal zurück

Die Friedrichsthaler Glasmacher bekamen ziemlich schnell Ärger mit der Forstdirektion der Saarbrücker Fürsten wegen ihres großen Holzbedarfs. Außerdem hatten sie Schwierigkeiten mit dem Absatz ihrer Produkte. Die Behörden in Saarbrücken und Dudweiler drängten auf Einstellung des Betriebes, wogegen sich die Beständer in einem Brief vom 25. Januar 1729 an die Fürstin Charlotte Amalie bitter beklagten. Der Einspruch gipfelte in der Feststellung, die Schließung der Hütte brächte "völligen Ruin und Verderben'.. Aber es half nichts. Die Holzglashütte mußte schließen, und die Beständer zogen zur Fischbacher Kohlenglashütte (der späteren Rußhütte bei Saarbrücken), die sie von 1730 bis 1747 betrieben. Der " Friedrichsthaler Erbbestandshof" ging ihnen indes nicht verloren. Der landwirtschaftliche Betrieb lief weiter, und die Fürstin bestätigte den Besitz in einer großen Urkunde vom 25. Februar 1732, nachdem das Gut schon 1730 vermessen worden war. Es gehörten dazu alle Ländereien im damaligen Friedrichsthal, ferner die Sandgrube auf dem Hoferkopf und eine Pottaschhütte an der heutigen Hofstraße in Bildstock, wo damals außer den Hofgebäuden und dem Jagdhaus auf der Erkershöhe keine weiteren Häuser standen. Der Glasmacher Eberhard war Hauptlehnsträger für den gemeinsamen Besitz. Das Gut durfte laut fürstlicher Anweisung nicht in mehr als drei Stücke aufgeteilt werden. Während Eberhard und die Wentzels auf der Rußhütte mit mehr oder weniger Erfolg weiter Glas herstellten, übertrugen sie die landwirtschaftliche Nutzung des Friedrichsthaler Geländes sogenannten Lohnleuten.

Mit dem Jahre 1747 beginnt dann die große Friedrichsthaler Glasmacherzeit. Seither gab es Glashütten ohne Unterbrechung bis 1926. Der Fürst Wilhelm Heinrich oder Henrich, wie er sich selbst nannte, erlaubte die Rückkehr der Glasmacher nach Friedrichsthal und wies nach Artikel zwei der Urkunde vom 1. Juli 1747 den Glasmachern für die Feuerung der Ofen neues Brennmaterial, die Kohle, zu. Eine neue Hütte wurde an der Elversberger Straße gebaut, die "obere Hütte" mit zwölf Häfen, den feuerbeständigen Steinbehältern für die zu schmelzende Glasmasse. Für die Hütte wurde ein Besitzrecht (Temporalbestand) auf zwölf Jahre festgelegt; im "Altenwald .. , also auf dem Gebiet Altenwalds, durften die drei Hüttenbesitzer nach Kohlen graben. Für Kohle und Holz hatten die Glasmacher, damals mit Gehilfen gerade 18 Leute in Friedrichsthal, im Jahr 450 Gulden zu zahlen, zwei Jahre später allerdings schon 600. Außerdem erhielten sie neben den üblichen Vorrechten, so auch "freyen Wein und Bierschank", wiederum die Zusicherung, daß auf Saarbrücker und Ottweiler Gebiet keine weitere Kohlenglashütte errichtet werden dürfe. Damit war der Grundstein für den folgenden Aufschwung gelegt. Schon 1750 wurde eine zweite Hütte, ebenfalls mit zwölf Häfen, gegenüber der "oberen Hütte" am Stockbach angelegt, die "Bacherhit t", drei Jahre später trieb man den Stollen am "Drehbrunner Berg" und 1782 einen Stollen im "Sauwasen.. in die Kohlenflöze. Die Glasmacher waren daher auch die Gründer 'der Kohlegruben.

Aus einer Aufstellung der Meierei Stennweiler, wozu Friedrichsthal damals verwaltungsmäßig gehörte, geht hervor, daß 1763 im Umkreis der zwei Hütten 109 Menschen wohnten, neben den Beständern noch 15 Glasmacher, ferner Häfenmacher und Kistenmacher. Glasmacher war damals in Friedrichsthal auch Gottlieb Reppert (gestorben 1788), vermutlich geboren im elsässischen Petite Pierre (Lützelstein), der am 14. September 1772 ein Drittel des Friedrichsthaler Besitzes ersteigerte und damit Miteigentümer der gemeinsam betriebenen Glashütten wurde. Hauptlehnsträger war zu dieser Zeit Philipp Heinrich Eberhard (gestorben 1787), Mitbeständer waren Johann Georg Högel (gest. 1772), verheiratet mit einer Tochter von Johann Gerhard Wentzel, und Ludwig Hollenberger, verheiratet mit der Witwe Johann Balthasar Wentzels, eines Sohnes von Johann Martin Wentzel. Gottlieb Reppert seinerseits hatte eine Tochter der Familie Högel geheiratet und war damit in Verwandtschaft zu den Gerhard Wentzels getreten, deren Besitz in Konkurs geriet und von Reppert ersteigert wurde.

Zusammen mit Eberhard beteiligte er sich auch an der 1784 gegründeten Mariannenthaler Glashütte bei Schnappach im Herrschaftsgebiet der Gräfin Marianne von der Leyen. Konkurrenz kündigte sich an, zumal das Kohlemonopol durch Hüttengründungen in Quierschied und Merchweiler schon durchbrochen worden war .


(Ein Beitrag von Dr. Werner Kern in Friedrichsthal Bildstock Maybach - Bilder und Dokumente zur Geschichte der Stadt, Heimat- und Verkehrsverein Friedrichsthal 1975)

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