Auf dem Weg zur Stadt

Im 19. Jahrhundert wurden alle Grundlagen und Voraussetzungen geschaffen, um Friedrichsthal und Bildstock zu einer Stadt des blühenden Handwerks und Geschäftslebens zu machen, das heute weit über die Ortsgrenzen ausstrahlt.

Das Jahr 1866 brachte für unsere Stadt eine entscheidende Wende. Die Bürgermeisterei Dudweiler, zu der wir ja zusammen mit Sulzbach seit 1816 gehörten, war nicht mehr in der Lage, den mittlerweile 14.000 Einwohner zählenden Sezirk (auf Friedrichsthal-Bildstock entfielen davon ca. 4.000) ordnungsgemäß zu verwalten. Neben dem Bürgermeister Franz Nikolaus Ganns gab es nur einen einzigen Bediensteten in diesem großen Kommunalverband. Mit einem Erlaß des preuBischen Innenministers vom 21. November 1865 wurde die Dreiteilung der Bürgermeisterei Dudweiler in die neuen Gebietseinheiten Dudweiler mit Fischbach, Sulzbach mit Altenwald und Neuweiler sowie Friedrichsthal mit Bildstock verfügt. Am 1. Januar 1866 war Friedrichsthal eine selbständige Gemeinde.

Es fehlten jedoch sowohl in Sulzbach als auch in Friedrichsthal an einem Rathaus und an qualifiziertem Fachpersonal, um die neuen Gemeinden zu verwalten. Im Sulzbacher Hause Friedrich Zeitz errichtete man ein Amtslokal und Franz Nikolaus Ganns wurde Bürgermeister der beiden neuen Gemeinden Sulzbach und Friedrichsthal in Personalunion.

Den Friedrichsthalern war es natürlich nicht recht, daß sie jetzt als selbständige Gemeinde immer noch keine eigene Verwaltung hatten. Sie konnten zunächst jedoch nicht mehr erreichen, als daß seit etwa Juli 1870 die Führung der Personenstandsbücher nach hier verlegt wurde. Als Amtslokal dieser ersten Frie'drichsthaler Behörde, des Standesamtes, diente ein Schulsaal, in dem sich Bürgermeister Ganns oder sein Bürogehilfe und Schwiegersohn Philipp Forster an einigen Tagen in der Woche zur Verfügung hielten.
Der Friedrichsthaler Gemeinderat gab sich damit nicht zufrieden, immer wieder versuchte er vom Landrat zu erreichen, daß die Personalunion aufgehoben werae und die Gemeinde einen eigenen Bürgermeister erhalte. Jedoch sooft solche Anträge gestellt wurden, lehnte sie der Landrat auch ab. Erst der Tod von Bürgermeister Ganns im Jahre 1879 schuf den Friedrichsthaler Bemühungen günstigere Voraussetzungen. Nach weiterem Hin und Her zwischen Friedrichsthaler Gemeinderat, dem Saarbrücker Landrat und der Bezirksregierung in Trier wurde von letzterer am 27.März 1880 verfügt, daß der mittlerweile zum 3. Beigeordneten avancierte Philipp Forster als kommissarischer Bürgermeister der Gemeinde Friedrichsthal einzusetzen sei. Am 2. April 1880 führte Landrat von Geldern den neuen Bürgermeister in sein Amt ein. Die Einwohnerzahl der Gemeinde lag zu diesem Zeitpunkt gerade etwas über 5.000.