Die Gründerjahre

Die nun folgende Epoche, allgemein auch Gründerjahre genannt, prägte das Gesicht der Gemeinde. Wir erhielten schon früh den Eisenbahnanschluß und nachdem im Jahre 1873 im Trenkelbachtal eine neue Grube abgeteuft wurde, entstand ein neuer Ortsteil: Maybach. Der gesamte Ort erlebte eine BIüttezeit. Im Jahre 1871 erhielt Friedrichsthal ein Postamt, 1896 wurde in Bildstock eine Postagentur eröffnet. Die Freiwillige Feuewehr wurde 1881 gegründet. Zwischen 1880 und 1910 erbaute die Gemeinde sieben Schulhäuser mit insgesamt 31 Klassen. Im heutigen Rathaus befand sich die kommunale Realschule. 1901 wurde die Straßenbahnlinie Saarbrücken-Friedrichsthal eröffnet. Mit dem Bau eines Wassewerkes in Spieser Mühle im Jahre 1899 sicherte sich Friedrichsthal langfristig die Wasserversorgung. 1905 kam hierzu die Versorgung mit elektrischem Strom, 1926 auch die öffentliche Gasversorgung.

Der Einwohnerzustrom hielt an, so daß man im Jahre 1910 schon 13.117 Einwohner zählen konnte. Schon bald nach Beginn des Ersten Weltkrieges litt die Bevölkerung große Not. Die Haupttätigkeit des damaligen Bürgermeisters Ernst Ballke (Amtszeit 1915 bis 1920) bestand notgedrungen in der Versorgung der Bevölkerung mit dem Lebensnotwendigen. So zum Beispiel richtete die Gemeinde einen Kuhstall mit 18 Milchkühen ein, um Säuglinge, Kranke und Alte zu versorgen.Jeder Anspruchsberechtigte erhielt täglich 3/4 Liter Milch. Außerdem wurde ein Lager mit Grundnahrungsmitteln, hauptsächlich Kartoffeln, unterhalten. Eine kommunale Suppenküche versorgte die Ärmsten der Armen täglich mit einer warmen Mahlzeit. Nach Ende des Weltkrieges wurde auch Friedrichsthal von dem sogenannten Spartakusaufstand betroffen. Die Mengen rotteten sich zusammen und plünderten die Geschäfte. Die Gemeinde mußte schIießlich den entstandenen Schaden ersetzen, soweit man von den PIünderern nicht die Beuteware zurückerhalten konnte.

Durch den Versailler Vertrag wurde das dort mit Saarbeckengebiet bezeichnete Land der direkten Herrschaft des Völkerbundes unterstellt, wobei der französische Staat das Eigentum der saarländischen Gruben als Ersatz und Wiedergutmachung für die im 1.Weltkrieg an den französischen Gruben verursachten Schäden erhielt. Das Sonderstatut des Völkerbundes für das Saarland hatte von vornherein eine befristete Geltungsdauer von 15 Jahren. Zunächst erholte sich Friedrichsthal nur langsam von den Auswirkungen des Krieges. Jedoch konnte im Jahre 1924 die kommunale Lebensmittelausgabe eingestellt werden. Auch entstand in dieser Zeit erstmals ein von Privatleuten geschaffenes Siedlungsgebiet, das ,,Eigenheim" an der Grühling- und Trenkelbachstraße in Bildstock. Bürgermeister war in den Jahren 1921 1933 Paul Kondruhn; ihm folgte für die Zeit von 1934 - 1945 Wilhelm Braun. Am 12. Januar 1935 hatte die saarIändische Bevölkerung Gelegenheit, sich über ihre endgültige staatsrechtliche Zugehörigkeit zu entscheiden. Drei Alternativen standen zur Wahl: 1.Aufrechterhaltung des Status quo 2. Anschluß an Deutschland 3. Anschluß an Frankreich 90 Prozent der Bevölkerung sprachen sich für die Wiedervereinigung mit dem Deutschen Reich aus, 8,8 Prozent wollten unter dem Völkerbundsmandat weiterleben, während nur 0,4 Prozent für einen Anschluß an Frankreich votierten. Als sich die Saarbevölkerung wiederum für Deutschland entschied, hatte mittlerweile Hitler seit 1933 im Deutschen Reich die Macht inne. Die politischen Parteien waren mit Ausnahme der NSDAP verboten und die Länder waren ,gleichgeschaltet'. So kam es, daß die Vertreter des Völkerbundes die Ubergabe der Regierungsgeschäfte am 1.März 1935 im Saarbrücker Rathaus nicht an die ehemaligen Staaten Preußen und Bayern vornahmen, zu denen das Saarland hauptsächlich gehörte, sondern unmittelbar an den Reichsinnenminister. Die ,Heimkehr ins Reich' hatte zunächst positive Folgen für das wirtschaftliche und kulturelle Leben in Friedrichsthal. Die freundschaftlichen Beziehungen mit der Stadt Villingen im Schwarzwald führten 1937 zu einer Städtepartnerschaft, die heute noch mit Leben erfüllt ist. Mit Urkunde vom 23. Juni 1936 erhielt die Gemeinde das Recht, ihr eigenes Wappen zu führen. Der 25. Juli 1937 war ein großer Tag für die Gemeinde. Die Saarabstimmungsgedenkstätte auf dem Marktplatz wurde eingeweiht, der Villinger Brunnen wurde der Bevölkerung übergeben und schließlich wurde auch das Friedrichsthaler Freibad eröffnet, zur damaligen Zeit eines der modernsten Bäder Deutschlands. Ein Jahr später, am 29. Mai 1938, war die Bismarckschule grundlegend renoviert, um 10 Klassen erweitert und eine Turnhalle daran angegliedert.