Kriegs- und Nachkriegsjahre

Die Blütezeit dauerte jedoch nicht lange, bald brach der Zweite Weltkrieg herein. Im Jahre 1944 erlebte auch Friedrichsthal mehrere Bombenangriffe, wodurch auch mehrere Einwohner ihr Leben verloren. Zeitweilig hatte Friedrichsthal bis zu 3000 Einquartierungen. Während der Evakuierung von Saarbrücken war Friedrichsthal Sitz der Kreisverwaltung. Der Einmarsch der amerikanischen Truppen am 19. März 1945 machte auch für die Gemeinde Friedrichsthal dieser Epoche ein Ende. Die Nachkriegszeit brachte unserer Stadt wiederum große Sorgen. Hunger und Wohnungsnot beherrschten den Alltag. Männer und Söhne vieler Familien waren im Krieg gefallen oder befanden sich in Gefangenschaft. Viele standen vor dem Nichts. Die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Richard Rauch war durch die schlechten Verhältnisse dazu verurteilt, Nachlaßverwalter der vergangenen Zeit zu sein. Inzwischen waren unsere Stadt und unser Land bereits zum dritten Mal wirtschaftlich und politisch von Frankreich abhängig. Da es den Franzosen primär um die Gewinnung der Kohle ging, weniger jedoch um die Demontage der vom Krieg verschont gebliebenen Fabriken, lebten wir in der ersten Zeit nach dem Krieg wirtschaftlich besser, als die Bewohner der übrigen Besatzungszonen. Insbesondere der Bergarbeiterstand war gut gestellt. Um die herrschende Wohnungsnot zu beheben, hat man bald mit dem Bau von Eigenheimen begonnen. Es entstand die Kettelersiedlung in mehreren Stufen und der erste Bauabschnitt der neuen Ostschachtsiediung. Bürgermeister in dieser Zeit war von 1946 - 1955 Ludwig Schnur, der spätere Landtagspräsident. Im Amt folgten ihm Fritz Edelmann von 1956 bis 1962, Wolfgang Grausam von 1966 bis 1990 und Werner Cornelius seit 1990.

In der Volksabstimmung vom 23. Oktober 1955 hat sich die saarländische Bevölkerung gegen das Saarstatut ausgesprochen, das eine Europäisierung der Saar unter französischem Einfluß vorsah. In dieser Ablehnung war der Wunsch der SaarIänder zur Wiedervereinigung mit Deutschland zu sehen, dem Frankreich dann auch Rechnung trug. Seit dem 1. Januar 1957 ist das Saarland Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Erst im Juli 1959 erfolgte die wirtschaftliche RückgIiederung mit der Währungsumstellung.Wie gesagt ist unsere Stadt in kaum 250 Jahren von etwa 15 auf mehr als 15.000 Einwohner angewachsen. Es leuchtet ein, daß sich eine solche rapide Aufwärtsentwicklung nicht auf Dauer fortsetzen Iäßt. Eine Stagnation trat ein. Der Wohltäter unseres Ortes, der Steinkohlebergbau, zeigte seine negativen Folgen. Die Bergschäden nahmen einen unerträglichen Umfang an. Viele Familien, die bauen wollten und des Abbaues wegen kein Baugelände bekommen konnten, sind abgewandert. Namhafte Industrieunternehmen verließen wegen der Bergschäden unsere Gemeinde und siedelten sich außerhalb des Bergsenkungsgebietes an. Zahlreiche Familienväter sind dem Betrieb, in dem sie arbeiteten, nachgewandert, wodurch ein weiterer Aderlaß entstand.