Die Stadt und der Bergbau

Wie das Glas ist auch die Kohle von besonderer Bedeutung für das Werden und Wachsen der Stadt Friedrichsthal. Die ersten Steinkohlenbergwerke in Friedrichsthal waren Glashüttengruben. Der für die saarländische Landesgeschichte bedeutendste Sproß aus dem Hause Nassau, Fürst Wilhelm-Heinrich (1741 1768), hatte mit Urkunde vom 1. Juli 1747 den Glashüttenbesitzern Ludwig Adolph Eberhardt, Johann Gerhard Wentzel und Johann Martin Wentzel erlaubt, in Friedrichsthal eine neue Glashütte zu errichten, die ausschließlich mit Kohle betrieben werden sollte. In seinem Buch Die Glasindustrie im Saargebiet (Braunschweig 1922) vertritt Dr. Walter Lauer die Auffassung, daß diese Urkunde die eigentliche Grundlage zu dem später hochentwickelten Orte Friedrichsthal bilde. Die Beheizung der Glasschmelze mit Steinkohle brachte dem Bergbau in unserer Umgebung eine große Belebung, denn bis dahin hatte man das Vorhandensein der Kohle wenig beachtet, da man das billige und reichlich vorhandene Holz viel bequemer erhalten konnte. So waren die Glashütten gleichzeitig Schrittmacher für den Bergbau in unserer Stadt, dem heute noch ein Großteil der Bevölkerung sein Brot verdankt. Der Glashütten-Bestandsbrief von 1747 zeigt uns auch, daß Fürst Wilhelm-Heinrich der Friedrichsthaler Glashütte eine Monopolstellung einräumte, indem er im Schluß der Urkunde den Glashüttenbesitzern verspricht, innerhalb von 24 Jahren weder in dem Saarbrückischen noch Ottweylerischen eine Kohlenglashütte erbauen zu lassen. Die erste urkundlich nachweisbare Grube befand sich im sogenannten Altenwald. Wenig später, am 16. Juni 1750, erhielten die Glashüttenbesitzer darüber hinaus die Erlaubnis, die an den Tag stoßenden Kohlen bei Spiesen zu graben, und am 16. 1. 1753 wurde der Kohlenabbau am Drehbronner Berg genehmigt. Schließlich erlaubte ein fürstliches Dekret aus dem Jahre 1782 die Wiederaufmachung des alten Stollens am Sauwasen, woraus sich der Schluß ziehen läßt, daß dort, am heutigen Helenengelände, bereits vor der Zeit der Friedrichsthaler Glashüttengruben, Steinkohlenabbau betrieben wurde. Nach ausdrücklicher Bestimmung der damaligen Bestandsbriefe war die Verwendung der Steinkohle auf den Betrieb der Glasöfen beschränkt, jeder Verkauf sowie auch die Benutzung zum Hausbrand war den Hüttenbesitzern und ihren Arbeitern streng verboten. Warum das geschah, werden wir baId erfahren. Doch verweilen wir zunächst bei den Glashüttengruben, die nämlich im saarländischen Steinkohlenbergbau bis in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts eine Sonderstellung einnahmen. Der letzte Bestandsbrief aus der fürstlich Nassau-Saarbrückischen Zeit vom 26. September 1785 bestätigt im wesentlichen die Bestimmungen der früheren Verträge. Weitere Akten aus dieser Zeit liegen mir nicht vor.

Erst aus der Zeit der Besetzung des Saarlandes durch die Franzosen von 1793 bis 1815 sind weitere Unterlagen erhalten. Diese Dokumente zeigen uns, daß der Kohlenabbau durch die verschiedenen Glashüttenbesitzer nicht ohne Schwierigkeiten vonstatten ging. Die Tatsache, daß mehrere Besitzer ein und dieselbe Grube auf jeweils eigene Kosten ausbeuten durften, führte natürlich ständig zu Reibereien und Unzuträglichkeiten. Eine endgültige Regelung des Kohlenbezuges der Friedrichsthaler Glashütten erfolgte von seiten der französischen Bergverwaltung (durch einen Vertrag vom 30. Mai 1808) dergestalt, daß alle Friedrichsthaler Stollen zu einer einzigen Grube vereinigt und den Glasfabriken Philipp Wagner und Louis Reppert zugesprochen wurden. Diese wurden verpflichtet, dem Besitzer der "kleinen Glashütte", H. L. Wentzel die zum Betrieb von sechs Glashäfen erforderlichen Kohlen zum Selbstkostenpreis zu liefern. Die Pacht, die für die Grube an den französischen Staat zu zahlen war, betrug jährlich 1600 Franken, wobei 30 Glashäfen zugrunde gelegt waren. Für jeden weiteren Hafen sollte sich die Pacht um 60 Franken erhöhen, wobei die kleine Glashütte von H. L. Wentzel allerdings nur das Recht zum Kohlenbezug für sechs Häfen zugesprochen erhielt, wofür sie sich an der Gesamtpachtsumme mit 360 Franken beteiligen mußte. Diese Regelung blieb bis in die preußische Zeit bestehen, genau bis zum Jahre 1817, als die Friedrichsthaler Glashüttengruben endgültig verstaatlicht wurden.

Über die Kohleförderung der Friedrichsthaler Glashüttengrube im Jahre 1814 gibt uns ein Bericht in den Akten des Staatsarchivs Koblenz Auskunft. So betrug die Förderung im 1. und 2. Quartal je 160 Fuder, im 3. Quartal 300 und im 4. Quartal 320 Fuder Steinkohle. Ergänzend zu diesen Zahlen wird bemerkt, daß wegen der Kriegsereignisse und infolge Absatzschwierigkeiten nicht mit allen Glasöfen gearbeitet werden konnte. Als Ersatz für die entzogene Selbstförderung billigte der preußische Staat durch Kabinettsorder vom 22. 12. 1817 den Glashütten das Recht zu, fernerhin die zum Betrieb der Glasöfen erforderlichen Kohlen von den nunmehr staatlichen Gruben zum Selbstkostenpreis zu beziehen. Dieses Vor- recht der Glashütten ist erst in den Jahren 1867 - 1879 auf dem Wege einer einmaligen Abfindung in Form einer kostenlosen Lieferung von Kohle abgelöst worden. Insgesamt erhielten die 5 privilegierten Glashütten (3 in Friedrichsthal, 1 in Quierschied und 1 in Merchweiler) 1.169.000 Zentner Kohle, was dem Kapitalwert der bis dahin bestandenen Berechtigung entsprach.

Nach diesem Oberblick über den Bergbau während der ersten Epoche Friedrichsthals, der, wie wir gesehen haben, ausschließlich der Glasproduktion diente, wollen wir uns nun einen Überblick über die bergbauliche Situation außerhalb der Glashüttengruben verschaffen. Seit alters her gehörte das Bergregal neben anderen Regalien (z. B. dem Münzregal) zu den Rechten, die der König den jeweiligen Landesherren verleihen konnte. So erhielt Fürst Johann von Nassau-Weilburg 1371 von Kaiser Karl IV. für die Grafschaft Saarbrücken die Reichslehen mit allen Freiheiten, Herrlichkeiten, Geleit-, Wasserfluß-, Wildbahn-, Bergwerks-, Münz- und sonstigen Rechten. Von den späteren Erneuerungen des Lehenbriefes ist diejenige Kaiser Karls V. vom 21. März 1546 für den Grafen Philipp zu Nassau-Saarbrücken in der Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen Band 32, B. Seite 406 - 407 abgedruckt. Obwohl das Bergregal im Mittelalter in erster Linie den Erzbergbau beinhaltete, wurde in unserem Raum schon sehr früh die Steinkohle in den Kreis der Regalien einbezogen. So stellt bereits ein Schöffenweistum von Neumünster (heutiger Stadtteil von Ottweiler) aus dem Jahre 1429 in dieser Beziehung die Steinkohle mit den Metallen auf gleiche Linie. "Item hait der scheffen gewiset, daz alle fondt in der graffeschafft von Ottwillre, is sy uff dem lehen oder anderswo, vnder der erden oder vber der erden, is sy von golde, silber, kupfer, bly, isen, steynekohlen oder anders, wie oder was man fondt nennen mag, das der eyner herrschafft von Sarbrucken sy vnd mit rechte zugehorent."

A. Haßlacher (Steinkohlenbergbau II. Band, Seite 14) führt hierzu aus: "Das betreffende Weistum findet sich vollständig abgedruckt in Jakob Grimms Weistümern, II. Teil (Göttingen, 1840). Wo es herstammt ist in dieser Quelle nicht angegeben. Ein nach seinem übrigen Inhalt ganz verschiedenes Neumünsterer Weistum, welches aber gleichfalls obigen, auf die Steinkohlen bezüglichen Rechtssatz wörtlich enthält, ist gegeben vom "Jaergedingk" zu Neumünster auf "Dinstag neste nach dem 20. Dage anno 1529"; es wurde vor etwa 100 Jahren von dem katholischen Pfarrer Hansen zu Ottweiler in einer alten Abschrift entdeckt. Wie übrigens aus mehrfachen Urkun’den hervorgeht, scheinen die Aussprüche der Schöffen auf den Jahrgedingen zu Neumünster in jener Zeit die hauptsächlich maßgebenden für die ganze Herrschaft Ottweiler gewesen zu sein; beispielsweise bezieht sich ein Vertrag von 1435 zwischen der Gräfin-Witwe Elisabeth von Nassau-Saarbrücken und Ritter Friedrich Greiffenclau von Vollradts ausdrücklich für die Zukunft auf diese Schöffen-Aussprüche: "als von alter herkommen ist vnnd die scheffen in dem jardinge zu Neumünster weisent".Mit Sicherheit nachweisbar ist der regelmäßige Steinkohlenbergbau in unserer engeren Umgebung seit dem 16. Jahrhundert. Mit ausdrücklicher landesherrlicher Erlaubnis haben vereinzelte Landesbewohner an der Stelle, wo Kohle zutage trat, Gräbereien eingerichtet, wofür sie einen jährlichen Zins ("die Grubengült") oder einen Teil der Förderung an die Rentkammer (Herrschsftskasse) zu entrichten hatten. In Dudweiler und Sulzbach, wo die Kohlengräberei schon bald größeren Umfang annahm, bestand sogar eine Kohlengräberzunft. 

Mit Beginn des Absolutismus und Merkantilismus erkannten auch die Saarbrücker Landesherren den Wert des "schwarzen Goldes", das in ihren Wäldern lagerte. War es bisher in erster Linie der Holzverkauf nach Holland, der die gräfliche Kasse füllte, sollte nunmehr auch die Kohlengewinnung hierzu beitragen. In einem Bericht des Landkammermeisters Spah vom 1. Sept. 1730, der sich mit Möglichkeiten zur Anhebung der herrschaftlichen Einkünfte beschäftigt, wird bereits vorgeschlagen, die Kohlegewinnung auf landesherrschaftliche Rechnung zu betreiben. In dem Bericht heißt es: "Anfänglich ist zwar nicht so viel, in massen auch aufs Holz gesehen und anderwärts verführt worden, nachdem aber das Holz überall beginnt rar zu werden, so ist auch dieser Steinkohlen-Bruch umsomehr in acht zu nehmen, als solcher heut oder morgen ebenso angenehm werden dürfte" (wie die Holzgewinnung).

Dieser zukunftsweisenden Betrachtung des Landkammermeisters Spah folgte erst 24 Jahre später Fürst Wilhelm-Heinrich, als er am 27. November 1754 folgende Verordnung drucken und in allen Oberämtern bekanntmachen ließ: "Von Gottes Gnaden, Wir Wilhelm Heinrich, Fürst zu Nassau, Graff zu Saarbrücken und Saarwerden pp. Befehlen und verordnen hierdurch, daß alle diejenige, so in Unsern gesambten Landen Stein-, Kalk-, Gips-, Ertz- und andere dergleichen Brüche, sie mögen Nahmen haben wie sie wollen, entdeckt, angelegt und bishero genossen, wann dergleichen Brüche sich unter der Tamm-Erden, worunter der Rasen und das zerschüttete Gestein, bis auf die Gäntze, oder feste Gestein verstanden wird, befinden, oder hinkünftig entdeckt und eröffnet werden wollten, sich dessfalls ohne Anstand bey Unserer Kammer, bey 50 Reichs-Thaler Straff, melden, und führohin von dergleichen gemeldeten Brüchen den Zehnden, entweder in natura, oder nach einem proportionirten Geld-Anschlag, wie solches von Unserer Kammer gut befunden werden wird, zu entrichten haben sollen. Desgleichen auch von Niemand in Zukunfft eine Stein-Kohlen-Grube eröffnet, noch vielweniger aber daraus Stein-Kohlen, bey 100 Reichs-Thaler Straff, verkauffet, dahingegen mit den Eisen-Ertz- Gruben es fernerhin, wie bishero, gehalten werden solle. Wornach sich also jedermännig! ich zu achten, und für Straffe zu hüten hat."

Lediglich die Friedrichsthaler Glashüttengruben blieben von dieser Einziehung verschont, mehr noch: die Glashüttenbesitzer durften sogar weitere Gruben eröffnen.Nachdem Fürst Wilhelm-Heinrich von den Gruben Besitz ergriffen hatte, galten seine weiteren Bemühungen der Expansion des Umsatzes. Da die Kohle zur damaligen Zeit als Hausbrand noch nicht eingebürgert war, war es sein Bestreben, all seinen Landeskindern den neuen Heizstoff Kohle näher zu bringen. Über die Meier (Ortsvorsteher) und Geistlichen des Landes ließ er die Bevölkerung in einer Anweisung vom 9. Juli 1765 wissen, "welcher Gestalt die Steinkohlen zur Erwärmung der Stuben und Behältnisse füglich und nützlich angewendet werden können".Auf welchem Stand sich die Absatzwerbung zur damaligen Zeit befand und wie schwierig sich die Kohlenheizung darstellte, zeigt uns der Wortlaut dieser Anweisung:

"Man nehme ein hölzernes oder ander Gefäss, um die Kohlen vor dem Ofen damit aufzubehalten, und die nach und nach aufgehende Quantität darnach abzumessen, zu- gleich aber auch die Proportion der Wärme daraus ausfindig zu machen. In dem eisernen Ofen, wozu die runden die tauglichsten in Ansehung des Rauches sind, lasse man einen Rost setzen. Auf diesen Rost lege man die Kohlen, nach Proportion des Ofens und der zu verlangenden Hitze, ordentlich übereinander; zünde die Kohlen mit klein geschnittenem Holtz unter dem Rost an, und wenn solche in Brand sind, werden die Holtzkohlen mit dem noch nicht verbrannten kleinen Holtz unter dem Rost mittelst eines eisernen Hakens herausgezogen. Wenn nun die Steinkohlen zu brennen aufgehört haben, und eine helle Kohle ausmachen, so werden die des Morgens aus dem Ofen genommenen kleinen Steinkohlen und Asche mit Wasser zu einem Teig gemacht, und man schlägt diesen Teig vornen auf den Rost und über die halbe Gluth der Steinkohlen im Ofen. Damit aber die Steinkohlen unter diesem Teig nicht ersticken, so muß man mit einem Stock eines Daumens dicks 4 bis 5 Löcher unterhalb des Rostes durch den Teig stoßen, und des folgenden Morgens bei abermaligem Einhitzen den ausgedörrten Teig sammt der vorräthigen Asche und todten Kohlen aus dem Ofen nehmen, und daraus, wie vorhin beschrieben worden, einen Teig formiren, wenn man vorhero die starke todte Steinkohlen davon abgesondert und angefeuchtet wieder zum Brand aufgelegt hat. Wobey nur beachtet werden muss, dass man die Steinkohle nicht zu nahe an den eisernen Ofen lege, sondern wenn sie wieder darwider liegen, mit einem Hacken einen Daumen breit zurückziehe. Auf diese Art kann man successive den ganzen Steinkohlen Vorrath zu nichts reduciren und mit wenigem Vorrath den Brandt während des Winters sich verschaffen, wenn anderst das Gesind accurat hierbei verfähret."Tatsächlich hatte die fürstliche Werbung Erfolg. Die fürstlichen Kohlenfuhren erreichten schon bald lothringisches und französisches Gebiet und selbst bis Frankfurt und Hanau wurde saarländische Kohle überwiegend auf dem Landweg transportiert.

Auch in den saarländischen Haushaltungen scheint die Steinkohle in dieser Zeit raschen Eingang gefunden zu haben. Zuerst verwandten die Bauern des Köllertales die Kohlen zum Kalkbrennen, um mit dem gebrannten Kalk ihre Felder zu düngen. Mit Dekret vom 9. März 1758 überließ Wilhelm-Heinrich der Landbevölkerung drei Steinkohlengruben bei Rittershofen, Walpershofen und Lummerschied "gratis und ohnendgeldlich", um Kohlen für die Kalkbrennung zu gewinnen, keineswegs aber, um Handel damit zu betreiben oder sie als Hausbrand zu verbrauchen. Mit Sicherheit haben sich die Bauern nicht an diese Beschränkung gehalten und sich mit: dem Abbau der Tagkohlen einen kleinen Nebenverdienst verschafft, was den Fürsten veraniaßte, die Berechtigung zurückzunehmen. Dennoch ist in diesem Dekret aus dem Jahre 1758 der Ursprung der heute noch existierenden Gemeinde-Berechtigungskohlen zu sehen; denn die Bevölkerung ist stets darauf bedacht, ihre einmal erworbenen Rechte zu verteidigen. So wurde seit dem Jahre 1766 in einer Vielzahl von fürstlichen Erlassen die Abgabe der Berechtigungskohten geregelt, deren Verwendung von da an auch als Haus- brand zugelassen war. Haßlacher gibt in seinem Buch "Der Steinkohlenbergbau des Preußischen Staates in der Umgebung von Saarbrücken" (II. Teil, Seite 29) folgenden Auszug aus dem fürstlichen Dekret vorn 19. 7. 1766 wieder: "Wir wollen auch..., um denen Unterthanen den Feldbau zu erleichtern, Unseren Berg-Inspector den Bedacht dahin nehmen lassen, damit denen selben geringhaltige Steinkohle, jedoch nach bergmännischem Bau unter des Berg-lnspectors Aufsicht gegen blosse Erstattung der Kosten und ganz allein zum Kalk- und Hausbrand, bei nachdrücklicher Strafe aber nicht zum Verkauf angewiesen werden." Die Gemeinde-Berechtigungskohlen wurden und werden heute noch keineswegs kostenlos geliefert, es wurde von Anfang an lediglich ein Rabatt gewährt, denn die Förderkosten sollten auf jeden Fall gedeckt werden. So betrug der Preis für einen Zentner Berechtigungskohle sowohl in der nassau-saarbrückischen wie auch noch lange in der preußischen Zeit vier Kreuzer (= 1 Batzen), was diesen Kohlen die Bezeichnung Batzenkohlen verschaffte.

Als unsere Heimat nach der großen Revolution von 1789 unter französische Herrschaft kam, zog Frankreich die fürstlichen Kohlengruben an sich und verpachtete sie mit Vertrag vom 5. Germinal des Jahres V (25. 3. 1797) an die Compagnie Equer in Paris. In diesem Pachtvertrag legte der französische Staat der Gesellschaft Equer die Verpflichtung auf, der Bevölkerung weiterhin die Kohlen zum hergebrachten Preis von 4 Kreuzern zu verkaufen. Anfänglich weigerte sich zwar die Gesellschaft, die alten Preise zu bewilligen, sie wurde jedoch nachdrücklich durch mehrere Verfügungen der Regierung des Saar-Departements dazu angehalten. Auch die preußische Regierung in Berlin hat, nachdem sie ihrerseits von den nassauischen Gruben Besitz ergriffen hatte, durch königliche Kabinettsorder vom 29. 4. 1819 der Bevölkerung die verbilligte Hausbrandkohle weitergewährt. Bis in die heutige Zeit haben die Bewohner unseres Raumes das Recht, eine gewisse Menge Hausbrandkohle zu einem ermäßigten Preis zu beziehen. Das Einwohnermeldeamt stelIt den Haushaltungen auf Antrag jährlich eine Gemeinde-Berechtigungs- Kohlenkarte über 26 Zentner aus. Die Preisermäßigung beträgt ca. 0,80 DM pro Zentner, das sind 16,– DM/Tonne. (im Jahre 1975)Wenngleich diese Vergünstigung heute vollkommen ihre wirtschafttiche Bedeutung verloren hat, zeigt sie uns dennoch, daß fürstlich-nassauisches Handeln bis in unsere heutige Zeit wirksam geblieben ist.

Mit dem Jahre 1815 beginnt für Friedrichsthal und insbesondere für den Bergbau in unserer Stadt, eine Epoche größter wirtschaftlicher Prosperität. Bis 1814 teilte das Saarland die Geschicke Frankreichs. Das Einrücken der Truppen Blüchers machte tatsächlich bereits am 6. Jan. 1814 der französischen Herrschaft ein Ende, indessen für einen Teil der Saarbrücker Lande nur vorübergehend. Der Erste Pariser Friede (30. Mai 1814) beließ das Moseldepartement mit Ausnahme des Kantons Tholey vollständig, vom Saar-Departement noch die Kantone Saarbrücken und St. Arnual und einen Teil des Kantons Lebach bei Frankreich. Es war dies der bedeutendste Teil der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken mit damals 20.000 Einwohnern und den wichtigsten Steinkohlengruben. Erst am 20. November 1815 brachte der Zweite Pariser Friede auch unseren Landstrichen die Wiedervereinigung mit Deutschland. Zehn Tage später nahm Preußen von unserem Raum Besitz, wie wir aus nachstehendem Protokoll ersehen können:

Besitzergreifungs-Protokoll wegen der Städte Saarbrücken und St. Johann und der dazu gehörigen Landgemeinden. Vom 30sten November 1815. Ich Endes Unterschriebener, Königlich-Preußischer Ober-Apellations-Rath im Großherzogthum Niederrhein, Kraft vorstehender Vollmacht, Königlicher Kommissarius zur Besitz-Ergreifung der von Frankreich an Preußen abgetretenen Gebiete, Oerter und Plätze, und bis zur definitiven Organisation mit der Oberverwaltung dieser Gebiete, Oerter und Plätze beauftraget; Habe mich heute den 30sten November, Morgens 10 Uhr auf das Rathaus der Stadt Saarbrücken verfügt, und von dort, in Begleitung des Herrn Ober-Bürgermeisters Zimmermann von Saarbrükken, sodann der Herren Bürgermeister und Vorsteher der Gemeinden Saarbrücken, St. Johann, Molstadt, Burbach, Rußhütte, Halberg, Arnual, Brebach, Güdingen, Büdingen, Bischmisheim, Fechingen, Scheid, Scheiderberg, Rendrisch, Stahlhammer, Bliesransbach, Kleinblittersdorf, Auersmacher, Hanweiler, Rilchingen, Gersweiler, Klarenthal, Ottenhausen, Krüghütte, Ludweiler, Karlsbrunn, Naßweiler, Emmersweiler, St. Nikolaus, Lauterbach, Grosrosseln, Geislautern, Völklingen, Werden, Fürstenhausen, KnaushoIz, Duttweiler, Sulzbach, Fischbach, Neuhaus, Schwalbach, Derlen, Buß, Rittenhofen, Kichenbach, Sellerbach, Engelfangen, Sprengen, Kölln und Elm; unter dem Läuten der Glocken, in die Hauptkirche verfügt, woselbst die öffentlichen Staatsbeamten, die gesammte Geistlichkeit, und die Bürger von Saarbrücken und von den Landgemeinden sich versammelt fanden. Das in Saarbrücken anwesende Königlich-Preußische Militair vom 4ten Armeekorps war unter Gewehr getreten, und der feierliche Aufzug von den Saarbrückschen Wehrmännern begleitet. Nachdem der Herr Pfarrer Hildebrand eine Anrede gehalten, habe ich vorstehende Vollmacht verlesen, und den Zweck meiner Sendung angegeben. Sofort wurden die Herrn Oberbürgermeister, Bürgermeister und Vorsteher der obenbenannten Gemeinden, dem neuen Landesherrn verpflichtet, welche in eigenem Namen und als Stellvertreter ihrer Gemeinde-Glieder, Treue und Gehorsam Seiner Majestät dem König Friedrich Wilhelm von Preußen und seinen Nachfolgern, und alle Unterthanen-Pflichten gegen diesen neuen Landesherrn getreulich zu erfüllen, schwuren. Ein eigener schriftlicher Akt wurde in dieser Hinsicht aufgesetzt, und von allen Vorstehern unterzeichnet.

Ich habe demnach, in meiner Eigenschaft als Königlicher Kommissarius erklärt, daß die reelle Besitznahme der Städte Saarbrücken und St. Johann und aller obenbenannten Oerter, im Namen Seiner Majestät des Königs von Preußen, meines allergnädigsten Herrn, vollbracht; verordnet, daß das Königliche Preußische Wappen an allen Rath- und Gemeindehäusern aufgestellt werde; und die Einwohner dieser Städte, Oerter und Gebiete, zur Unterthanen-Treue und Pflicht, gegen den neuen Landsherrn, verwiesen. Der Herr Oberbürgermeister Zimmermann, im Namen der Städte Saarbrücken und St. Johann, der Vorsteher aller obenbenannten Oerter und Gemeinheiten und ihrer Bewohner dankten, in einer an mich gerichteten Anrede, für das Glück von nun an dem Preußischen Scepter anzugehören. Der ambrosianische Lobgesang beschloß diesen feierlichen Akt. Gegenwärtiges Besitzergreifungs- Protokoll soll gedruckt, und statt des Besitz-Ergreifungs-Patents, in allen Gemeinden und Städten angeschlagen werden. So geschehen zu Saarbrücken, den 30sten November 1815. Der Königl. Kommissarius Simon.

Die preußische Landesherrschaft beendete im Jahre 1817 die Zeit der privatrechtlich betriebenen Friedrichsthaler Glashüttengruben. Auch sie wurden von nun an vom preußischen Staate betrieben, was wohl die Ursache für die erhebliche Expansion des Bergbaues in unserer Stadt ist.Bis zum Jahre 1815 waren alle Gruben unseres Raumes Stollenbaue (z. B. Friedrichstollen, Grühlingsstollen). Die ersten Tiefbauschächte mit Dampfmaschinen zur Förderung und Wasserhaltung waren 1815 auf der Grube Hostenbach in Betrieb. Allgemeinen Eingang fand der Tiefbau allerdings erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit der fortschreitenden EntwickIung der maschinellen Förderanlagen. In Friedrichsthal wurde im Jahre 1857 als erste Schachtanlage die Grube Helene abgeteuft. An ihrer Stelle befanden sich die früheren Glashüttengruben am Sauwasen, eben dort, wo der Steinkohlenbergbau userer Stadt gut hundert Jahre früher begonnen hatte.

Die Eröffnung der Eisenbahnlinie am 15. November 1852 führte in gleicher Weise wie für die Glashütten auch für den heimischen Bergbau zu einer Verbesserung des Standortes und brachte somit bedeutend bessere Absatzmöglichkeiten. Infolgedessen wurde in unserem Raum ein Bergwerk nach dem anderen errichtet. Aus einem seit dem Jahre 1836 bestehenden Stollenbau am Kallenberg entstand 1872 der Schacht Erkershöhe. Von 1856 bis 1862, also in 6 Jahren, stieg die Belegschaft der Friedrichsthaler Gruben von 72 auf 900 Mann. Unsere Stadt erlebte einen nie dagewesenen Bevölkerungszustrom. Vor allem kamen die Bergleute aus den nördlicheren Landesteilen (St. Wendeler Raum, Primstal usw.), aber auch aus der benachbarten Pfalz. Die auswärtigen Bergleute wurden zunächst in den Schlafhäusern von Altenwald und Bildstock untergebracht. Letzteres, 1858 von der Grube Reden erbaut, ging in die Verwaltung der Grube Friedrichsthal über.Im Jahre 1868 erhielt Friedrichsthal eine eigene Inspektion, die Berginspektion IX. Immer mehr Arbeitskräfte wurden benötigt, und das königliche Bergamt versuchte auf allen Wegen die Leute anzuwerben, deren Zahl schon bald auf 2000 anstieg. Folgende, vom preußischen Handelsminister genehmigte Maßnahmen, sollten Leute heranziehen: Veröffentlichung des vorhandenen Arbeiterbedürfnisses und der Arbeitsbedingungen in den Zeitungen und Kreisblättern, Bewilligung von Reisegeldern für die von fern heranziehenden Bergleute und die zur Anwerbung entsandten Beamten, Unterbringung der Bergleute in Schlafhäusern und Unterstützung der Wohnungsbautätigkeit, Errichtung von Kaffeeküchen, die vollständige Verpflegung auf den Gruben anboten, Bau von Badeanstalten, Unterbringung von erkrankten Bergleuten in Lazaretten, Erhöhung der Schichtlöhne und Gedinge, Zahlung von Vorschüssen an die zugewanderten Bergleute.

Allen Bemühungen war anfänglich nur bescheidener Erfolg beschieden. Den aus den ländlichen Gebieten stammenden Arbeitskräften war die Arbeit unter Tage völlig ungewohnt, sie konnten sich nur schlecht in die Disziplin und die Verhältnisse auf den Gruben einordnen. So verließen beispielsweise auf der Grube Dudweiler innerhalb von 6 Monaten von 813 neu eingestellten Bergleuten 501 wieder ihren Arbeitsplatz.Um gelernte Hauer zu finden, wurden Verbindungen zum Sächsischen Oberbergamt in Freiberg, zum Hannoverschen Bergamt zu Clausthal und zum Braunschweig-Lüneburgischen Bergamt in Goslar angeknüpft.In das Jahr des 250. Jubiläums von Friedrichsthal fällt auch der 100. Geburtstag der Grube Maybach. Aus einem alten Zechenbuch erfahren wir, wann und unter welchen Umständen die Geschichte der Grube Maybach ihren Anfang genommen hat. Zur Feststellung des Beginns der Abteufarbeiten wurden im Jahre 1884 die ältesten Bergleute der Grube Maybach vernommen.Der Bergmann Conrad Marquardt aus Holz berichtet: "Am 1. Mai 1873 wurde ich mit noch 11 Hauern und 6 Schleppern von Grube Friedrichsthal nach dem Trenkelbachtale zum Anhauen, resp. Abteufen eines Schachtes daselbst verlegt. An der ersten, zweiten und dritten Schicht arbeiteten wir alle zusammen auf einem Drittel, und zwar beim Wegräumen und Aufpollern des gefällten Holzes. An der 4. Schicht, und zwar am 5. Mai 1873, wurde mit dem Abteufen begonnen und mußte vor allem andern ein Baumstock, in welchem ein Nagel als angegebenes Schachtmittel steckte, weggebracht werden.

Mein Kamerad Friedrich von Hoven that hierzu den ersten Hieb mit der Stockhaue. Der Hauer Peter John bohrte das erste Loch in den Stock, um denselben zu zersprengen, und der Hauer Peter Marquardt hat die drei ersten Schippen voll Erde – in den drei höchsten Namen – zurückgeworfen. Gleich hernach kamen die Herren Obersteiger Heinz, Fahr- steiger Müller und Steiger Schmidt und vertheilten uns auf 3 Drittel. Von hierab wurde nun ununterbrochen abgeteuft, und wir haben in diesem Monat noch ungefähr 6 m abgeteuft."Nach dem Bächlein, das früher den Saufang durchfloß – heute ist es durch den großen Weiher nicht mehr zu sehen – erhielt die Grube den Namen Trenkelbach. Erst im Jahre 1882 erhielt das Bergwerk seinen heutigen Namen – zu Ehren des damaligen preußischen Ministers für öffentliche Arbeiten, Albert von Maybach. Die einzelnen Schächte wurden mit Vornamen aus der Familie des Ministers bedacht, so z. B. Albertschacht, Marieschacht, Helenenschacht, Klaraschacht. Der heute noch in Betrieb befindliche Schacht Frieda wurde im Jahre 1897 angehauen und erhielt seinen Namen nach der Frau des damaligen Werkdirektors Stapenhorst. lhren Bahngleisanschluß erhielt die neue Grube über die Trenkelbachbahn, die bei Brefeld in die Fischbachtalbahn mündet. In den Jahren 1908 – 1912 wurden in Maybach 4 Schlafhäuser errichtet. In ihnen wohnten die "Hartfüßer", jene Bergleute, welche die Woche über in Maybach blieben und nur über das Wochenende nach Hause fuhren oder meistens zu Fuß gingen. Die Maybacher Schlafhäuser galten zur damaligen Zeit als vorbildlich, dennoch wurden mehr und mehr Bergleute in unserer Stadt seßhaft. Durch Gewährung von Bauprämien und verbilligten Darlehen trug der Bergfiskus viel dazu bei. An der Illinger Straße in Bildstock, die im Jahre 1863 noch mitten im Wald lag, wurden die ersten Bildstocker Bergmannshäuser errichtet. Weitere Bergmannshäuser entstanden an der Josef- und Spieser Stra6e. Die Einwohnerzahl Bildstocks stieg in kaum 100 lahren von nicht einmal 20 auf nahezu 7000. Auch in Friedrichsthal entstanden Bergbausiedlungen (Kolonien), so zunächst an der Elversberger- und Friedrich-Wilhelm-Straße, später (1911) am Ostschacht.Höhepunkte des damaligen Lebens waren die Bergfeste, die alle zwei Jahre auf dem gro6en Festplatz an der Bismarckstraße (etwa gegenüber der heutigen Edith-Stein-Schule) stattfanden. Lesen wir, was Oberlehrer Wilhelm Schaetzing in seinem Heimatbuch über diese Tage berichtet: "lch erinnere mich noch sehr gut, wie schon in meiner Jugend die Bergleute solch stattliche Feste feierten, die alle anderen in den Schatten stellten. Der erste Tag, ein Sonntag, war für die Arbeiter bestimmt, der darauffolgende Montag für die "Herren Beamten". Morgens war feierlicher Kirchgang mit Musik, wie ja auch noch heute das tägliche Arbeitsleben der Knappen mit Gebet beginnt. Nach dem Gottesdienst nahm die ganze Belegschaft Paradeaufstellung am Zechenhause, und der Herr Bergwerksdirektor schritt grüßend die Front ab, nachdem der Herr Obersteiger die Meldung erstattet hatte: "Belegschaft zum Abmarsch bereit!" Darauf begab sich die uniformierte Bergkapelle an die Spitze des Festzuges, dann folgte die Inspektionsfahne mit den oberen Werksbeamten und die Bergknappen mit Grubenkitteln und Mützen, die anderen Beamten auch mit den glänzenden Schachthüten, schmucken Federbüschen, schwarzen Frackuniformen und Säbeln. Unter Festklängen marschierte der Zug zum Bergfestplatz bei Erkershöhe, gefolgt von Frauen, Kindern und eingeladenen Freunden. Nach einer vaterländischen Ansprache des Bergrats war der kurze offizielle Teil erledigt, und nun folgte der lange, gemütliche Teil bis in die Abendstunden. Schnell nahmen die Bergleute mit ihren Familienangehörigen an den für jede Kameradschaft bezeichneten Tischen Platz, und die Herbeitragung des Festessens begann, zu dem jeder seinen Teller und Eßbesteck mitgebracht hatte. In großen Kesseln, die in den vorhandenen Kochhäuschen standen, waren Reissuppe mit Ochsenfleisch und Schinken gekocht worden. Dazu wurde feines Weißbrot gegessen. Jeder konnte nach Herzenslust schmausen, so viel er wollte. Nach dem Essen gab es Freibier und Zigarren nebst einem Etui mit daraufstehender Widmung zur Erinnerung an das betreffende Jahr des Bergfestes. Das nur alle zwei Jahre stattfindende Fest mußte wegen der großen Vorbereitungen an den bestimmten Tagen im Freien abgehalten werden, ob Sonnenschein oder Regen seine freudigen oder bösen Begleiter waren. Mit grimmigem Humor wurde dann dem "Nassauer" getrotzt, der sich in die dampfende Suppe ergoß. Schnell spannten die vorhandenen Schönen ihre Sonnen- und Regenschirme auf, um den ungebetenen Spielverderber von dem Festbissen abzuhalten. Die Kinder krochen mit ihren Tellern unter Tische und Bänke, nur wenige fanden Schutz unter den vereinzelt vorhandenen Hallen. Gar manches Bergfest fand durch anhaltenden Regen einen frühen, betrübenden Abschluß. Nach des Leibes reichlicher und guter Atzung spielte die Bergkapelle zum fröhlichen Tanze auf. Der Herr Bergrat tanzte als erster mit der Frau Obersteiger und dieser mit der Frau seines Chefs. Das Alter schaute schmunzelnd zu, wie die lugend so uner- müdlich das Tanzbein schwang, und manche Herzen fanden sich hier zum späteren ehelichen Bunde. Auch das edle Volkslied wurde gepflegt durch Gesangsvorträge der Knappen und des Beamtengesangvereins. Für die Jugend waren allerlei Marktstände mit Zucker-, Back- und Spielwaren da. Es herrschte ein Leben und Treiben wie auf einer Kirmes. Die ganze Bevölkerung nahm Anteil an diesen Volksfesten. Auch die Bescheidensten freuten sich wenigstens an dem malerischen Bilde des Festzuges, mit dessen Rückkehr am Abend der erste Festtag seinen Abschlu6 fand. Am anderen Morgen mu6te wieder mit klaren Köpfen angefahren werden, darum hieß es: "Jetzt stramm marschiert und dann schnell ins Bett!" Das Abendessen und der Abendtrunk brauchten nicht mehr eingenommen zu werden. Am Montagnachmittag fand dann die Nachfeier für die Beamten mit ihren Familien ohne Festzug und Galauniform statt, zu der auch die anderen Staatsbeamten und Gemeindebeamten eingeladen wurden. Es gab da meistens Spießbraten und Kartoffelsalat mit gutem Münchener Bier. Ja, man verstand es früher, glänzende Feste zu feiern, nach denen sich die verarmte Menschheit wieder zurücksehnt. Noch schlimmer ist es, wenn zu der leib- lichen Armut noch die geistige tritt, die sich auch in dem Bestreben zeigt, schöne, volkstümliche Sitten und Gebräuche abzuschaffen." Soweit Schaetzing.

Leider gibt es über die Geschichte des Bergbaues und des Bergmannslebens in unserer Stadt nicht nur Erfreuliches zu berichten. Die Geschichte der Grube Maybach ist überschattet von einer Schlagwetterexplosion, die zu den schwersten des Steinkohlenbergbaues überhaupt zu zählen ist. Am Nachmittag des 25. Oktober 1930, gegen 15.30 Uhr verloren auf der 4. Tiefbausohle der Grube Maybach achtundneunzig brave, meist junge und hoffnungsfrohe Bergleute ihr Leben. Durch ein Extra-Blatt des damaligen "Friedrichsthal-Bildstocker General-Anzeigers", das schon wenige Stunden nach der Katastrophe erschien, wurde die traurige Botschaft mit Windeseile verbreitet. Ungezählte Frauen und Kinder, Mütter und Väter warteten vor dem Grubentor auf eine Nachricht über das Los ihrer Angehörigen. Aus ganz Deutschland, ja aus aller Welt trafen Beileidstelegramme und Geldspenden ein. Zur Trauerfeier, die am 29. Oktober 1930 in Maybach stattfand, kamen Tausende um Tausende, um die Knappen auf ihrer letzten Fahrt zu begleiten, darunter der vom Völkerbund eingesetzte Regierungspräsident Wilton, der Generaldirektor der saarl. Gruben Guilleaume, der Reichsverkehrsminister von Guerard als Vertreter Hindenburgs, der Bischof von Trier, Dr. Bornewasser, der Generalsuperintendant der Rheinprovinz D. Stoltenhoff, der Oberberghauptmann Flemming, um nur einige zu nennen. Dem auf das Unglück hin gebildeten "Maybachfonds" standen 220.000,– RMark und 1.750.000 Franken zur Verfügung, um die Not in den vielen Familien zu lindern. Doch auch in Maybach ging das Leben weiter. Selbst die Bergleute, die sich schworen "mei Lebtag gehn ich in kenn Grub meh", fuhren bald wieder ein.Schon zwei Jahre später traf unsere Bergarbeiterfamilien weiteres Unheil. Infolge der Weltwirtschaftskrise mußten von der "Administration des Mines Domaniales Francaises du Bassin de la Sarre" zahlreiche Gruben stillgelegt werden. Unter den geschlossenen Bergwerken befand sich auch die Grube Friedrichsthal (Helene), in der rund 200 Jahre zuvor der Bergbau in unserer Stadt seinen bescheidenen Anfang genommen und die der Glashüttensiedlung Friedrichsthal zu jenem kometenhaften Aufstieg verholfen hatte. Durch zahlreiche Proteste, Resolutionen und Entschließungen (Gemeinderatssitzung vom 21. 4. 1932) versuchte man zwar die Stillegung zu verhindern, doch am 30. April 1932 schloß Grube Helene endgültig ihre Tore. 193 Bergleute aus unserer Stadt verloren ihre Arbeitsplätze.

Nach der Rückgliederung des Saargebietes in das Deutsche Reich am 1. 3. 1935 kamen auch die Gruben wieder unter deutsche Verwaltung. In dieser Zeit erhielten die Saargruben die Rechtsform der Aktiengesellschaft.

Während des zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Russen als Ostarbeiter oder Kriegsgefangene auf den Bergwerken in unserer Stadt beschäftigt. Auf unseren Friedhöfen künden zahlreiche Grabzeichen Unbekannter von dieser schweren Zeit.

Zehn Jahre nach der Rückgliederung zu Deutschland begann für unsere Heimat erneut eine Epoche der Abhängigkeit von Frankreich, während der die Gruben wieder unter der Bezeichnung "Mines de la Sarre" als französischer Staatsbetrieb geführt wurden. Wieder fällt in diese Zeit ein bedeutender Aufschwung unseres heimischen Bergbaues.

Während im Jahre 1890 die Steinkohleförderung pro Arbeitstag 790 t betrug, wurden auf Grube Maybach im Jahre 1951 bei einer Belegschaft von 6.700 Mann 6.300 t täglich gefördert. Heute sind auf der Anlage Maybach, die als Verbundanlage mit Reden arbeitet, 1.300Arbeiter über und unter Tage beschäftigt. Die Förderung betrug im März 1973 3.400 t/Tag, wie Dipl.– Ing. Loos in der Festschrift 250 Jahre Friedrichsthal /100 Jahre Grube Maybach berichtet.

In der Blütezeit des Bergbaues, vor dem 1. Weltkrieg, waren in unserem Stadtgebiet weit mehr als 30 Schächte in Betrieb; heute sind davon nur noch drei offen. Alte Markscheiderkarten zeigen uns, wo überall Schächte vorhanden waren. Eine Vielzahl davon ist der Bevölkerung heute überhaupt nicht mehr bekannt. Es sei daher folgender Überblick gegeben:Helene1
Dieser Schacht war der erste in unserem Stadtgebiet. Er befand sich im heutigen Helenengelände und wurde 1857 angehauen. Verfüllt wurde er vermutlich um das Jahr 1928. Seine Teufe betrug 185 m. Er hatte einen rechteckigen Querschnitt von 6,60 x 2,90 m. Er diente der Friedrichsthaler Grube insbesondere als Förderschacht.

Helene 2 Von diesem Schacht ist heute noch die Mauerung am Einschnitt zum Eisenbahntunnel von der Kohlenstraße aus zu sehen. Auch dieser Schacht war ein Förderschacht der Grube Friedrichsthal. Er wurde 1885 angehauen und 1952 verfüllt. Die Teufe betrug 687 m, der Durchmesser 5,20 m.

Ventilatorschacht der Grube Helene
Auch dieser Schacht befand sich im Bereich der heutigen Eisenbahnlinie Saarbrücken – Neunkirchen, mitten im jetzigen Tunneleinschnitt. Er wurde 1858 angehauen und war 35,00 m tief. Sein Durchmesser betrug 2,00 m. Wegen seiner geringen Teufe ist er durch die neue Trasse der Eisenbahnstrecke vollkommen verschwunden.Bergeschacht der Grube Helene Dieser Schacht befand sich gegenüber der Eisenbahnlinie nach der heutigen Streckenführung. Er wurde erst 1935 angehauen. Wie lange er offen war, ist nicht mehr bekannt. Die Teufe betrug 20,00 m, sein Durchmesser 3,00 m. Er diente zum Einbringen des Versatzes (Verfüllen der nicht mehr benötigten Stollen mit an anderen Stollen abgebauten Gesteinsmassen).
Hilfsschacht der Grube Helene Dieser Schacht befand sich dort, wo der Fußweg zwischen Kohlenstraße und Bismarckstraße auf die Grubenstraße trifft. Er war offen in den Jahren 1869 bis 1938. Seine Teufe betrug 36,00 m. Er hatte einen rechteckigen Querschnitt von 3,90 auf 2,20 m.
Der Gegenortschacht der Grube Helene befand sich unmittelbar am Anfang der heutigen Grubenstraße, auf der linken Straßenseite, kurz vor der noch gut zu sehenden Bergehalde. Es ist nicht mehr bekannt, in welcher Zeit er in Betrieb war. Die Teufe betrug 96,00 m, der Durchmesser zwischen 3,80 und 3,20 m. Er stellte eine Verbindung vom Franzschacht zu den Helenenschächten her.

Der Spülschacht der Grube Helene befand sich unter dem Fußweg zwischen der Marienstraße und dem Friedrichsthaler Friedhof. Er wurde im Jahre 1925 verfüllt. Die Teufe betrug 135,00 m, der Durchmesser 4,00 m. Er diente zum Einbringen des Versatzes.

Der Franzschacht befand sich am Ende der nach ihm heute noch benannten Straße. Seine Schachtabdeckung ist noch auf dem Bauhof der Firma Ullinger zu sehen. Sein Entstehungsdatum ist nicht mehr bekannt, vermutlich 1891. Außer Betrieb ist er seit etwa 1913. Die Teufe betru g 117,00 m. Über alte Stollenbaue hatte er eine Verbindung zur Grube Helene.
Der Kolonieschacht am Ende der Elversberger Straße in Friedrichsthal war der letzte noch offene im Stadtteil Friedrichsthal. Allerdings wurde auch er noch im Jahre 1973 verfüllt. Er wurde im Jahre 1893 begonnen und war 655,41 m tief. Der Durchmesser betrug 4,00 m. Er diente zuletzt als ausziehender Wetterschacht der Verbundanlage Reden-Maybach.

Tagschacht A Dieser Schacht befand sich im Kolonier Wald in der Nähe des Tal- weges, der nach Elversberg führt. Er war 60,00 m tief und hatte einen Durchmesser von 4,00 m. Mit Sicherheit diente er als Belüftungsschacht der alten tagesnahen Stol- lenbaue.
Tagschacht B Teufe 70,00m, Durchmesser 4,00m, sonst wie Tagschacht A.
Feuerofenschacht

Er befand sich unter dem heutigen Müllabladeplatz der Stadt im Kolonier Wald. Einzelheiten über diese Anlage sind nicht mehr überliefert. Sein Name deutet jedoch darauf hin, daß sich bei ihm ein Ofen zum Wärmen der Wetter befand. Derartige Schächte wurden in Zeiten des erdoberflächennahen Bergbaues verwendet und waren in der Regel sicherlich nicht tiefer als 20,00 m.

Der Ostschacht gab einer großen Neubausiedlung in Friedrichsthal den Namen. In seinem Bereich befindet sich die Hauptrettungsstelle der Saarbergwerke. Er wurde 1890 auf 703,60 m abgeteuft und 1967 verfüllt. Sein Durchmesser betrug 5,00 m. Er hatte vornehmlich die Funktion eines Wetterschachtes.

Der Klaraschacht gehörte zur Gru be Maybach und befand sich südwestlich der nach ihm benannten Siedlung. Er war als Wetterschacht in den Jahren 1885 bis 1940 offen.
Die Teufe betrug 564,00 m, der Durchmesser 5,00 m.
Marieschacht der Grube Maybach Dieser erste Maybacher Schacht wurde im Jahre 1873 begonnen. Seit 1965 ist er teilweise verfüllt. Als Blindschacht besteht durch ihn noch eine Verbindung von der 4. auf die 5. Sohle von etwa 200,00 m. Bei einem Durchmesser von 5,20m betrug die Teufe 943,00 m.

Friedaschacht der Grube Maybach Der moderne Betonförderturm dieses Schachtes ist weithin sichtbar und erst vor ca. 10 Jahren entstanden. Der Schacht selbst ist mit 955,40 m der tiefste in unserem Stadtgebiet und bereits im Jahre 1897 entstanden. Der Durchmesser beträgt 4,80 m. Heute findet er als einziehender Wetterschacht Verwendung, au6erdem dient er zur Seilfahrt.
Albertschacht der Grube Maybach Auch dieser Schacht ist heute noch offen und erfüllt die gleichen Funktionen wie der Schacht Frieda. Er wurde im Jahre 1874 mit einem Durchmesser von 5,18 auf 726,70m abgeteuft.
Erkershöhe 1

Dieser Schacht nördlich gegenüber des Bildstocker Friedhofs ist heute ebenfalls noch offen und dient als ausziehender Wetterschacht. In früheren Zeiten waren beide Erkershöheschächte Förderschächte. Er wurde im Jahre 1874 mit einem Durchmesser von 6,50m auf 827,60 m abgeteuft.

Der Schacht Erkershöhe 2 befand sich direkt neben dem Schacht 1. Er wurde im Jahre 1872 abgeteuft und 1964 verfüllt. Die Teufe betrug 775,00 m, der Durchmesser 5,00 m.
Ein Wetterschacht der alten Qrube Erkershöhe befand sich mitten im Wald zwischen der Illinger Straße und dem Itzenplitzer Weiher. Abgeteuft wurde er im Jahre 1879 auf
153,00 m bei einem Durchmesser von 3,00 m. Seit wann er verfüllt ist, ist nicht mehr bekannt.
Der Kallenbergschacht befand sich nördlich des Bildstocker Bahnhofes am Hang zum sogenannten Roten Weg. Er war offen in den Jahren 1885 bis 1960, allerdings schon einige Jahre vorher mit einem betonierten Deckel versehen. Er war noch 40,00 m tief und diente in älteren Zeiten als Wetterschacht.

Der Westschacht oder Marsautschacht stand am Ende der heutigen Straße Am Westschacht. Sein Zechenhaus dient heute dem Reiterverein als Reithalle. Abgeteuft wurde er im Jahre 1911, verfüllt im Jahre 1964. Die Teufe betrug 810,00 m bei einem Durchmesser von 6,00 m. Ursprünglich diente er als Förder- und Wetterschacht, zuletzt nur noch als Wetterschacht.
Der Bildstockschacht der Grube Reden befand sich in der Nähe des Verbindungsweges zwischen Bildstock und Landsweiler, auf dem heutigen Betriebsgelände der Firma GEVA (Altölverbrennungsantage), also bereits auf dem Bann der Gemeinde Landsweiler-Reden. Er hatte die Funktion eines Wetterschachtes und wurde im Jahre 1899 bei einem Querschnitt von 4,00 m auf 578,00 m abgeteuft. Verfüllt wurde er im Jahre 1963.
Der Bildstockschacht der Grube Heinitz befand sich direkt neben dem vorgenannten Schacht. Er diente ebenfalls als Wetterschacht und war 451,00 m tief. Der Querschnitt betrug 3,50 m. Abgeteuft wurde er im Jahre 1887, verfüllt im Jahre 1938.

Ein weiterer Wetterschacht befand sich im Diedrichsfeld, nördlich der Neunkircher Straße zwischen dem Ende der Bebauung Bildstock und dem Forsthaus. Die Teufe dieses Schachtes betrug 45,00 m. Weitere Einzelheiten sind nicht bekannt.
Ein Wetterschacht befand sich im Bereich der Spielwiese der Hoferkopfschule in Bildstock. Er war lediglich 15,00 m tief und in den Zeiten des alten tagesnahen Abbaues in Betrieb.
Ein Wetterschacht, dessen Schachtmauerung heute noch gut zu sehen ist, befand sich an der Einmündung der Hofertalstraße in die Neunkircher Stra6e in Bildstock, in unmittelbarer Nähe der BP-Tankstelle Ruffing. Dieser Schacht war 47,00m tief. Weitere Daten sind nicht mehr bekannt.
Der Eichenschacht befand sich am Ende des vorderen Parkplatzes am Birkenweg in Bildstock. Er wurde im Jahre 1911 auf 468,00 m abgeteuft und diente den Gruben Friedrichsthal und Heinitz als Wetterschacht. Sein Durchmesser betrug 4,50 m. Im Jahre 1963 wurde er verfüllt.
Der Herrmannschacht, nach Berghauptmann Dr. Herrmann Brassert benannt, befand sich zwischen der Spieser Stra6e und dem Fried- richsthaler Friedhof. Er wurde1892 abgeteuft und erst 1972 verfüllt. Seit dem Jahre 1932 ist er mit einem Betondeckel versehen. Bei einem Querschnitt von 4,00 m betrug die Teufe 444,00 m.
Südöstlich des Eichenschachtes, nördlich der Spieser Straße, etwa gegenüber des Hundedressurplatzes, befand sich ebenfalls ein alter Wetterschacht, über den nähere Einzelheiten nicht mehr bekannt sind.

Ein weiterer alter Wetterschacht befand sich im Bereich der Sand- grube an der nördlichen Friedenstraße.
Ein alter Wetterschacht war auch zwischen der Kettelerstraße in Bildstock und dem Fußweg zwischen der Grillparzerstraße und Helenenstraße vorhanden. Man weiß heute nur noch, daß er eine Teufe von 65,00 m hatte, also der ältesten Bergbauperiode zuzuordnen ist.
Ein Wetterschacht von 10,00 m Tiefe existierte an der Ecke Friedenstraße und Bergstraße in Friedrichsthal.
Lediglich 4,00 m tief war ein alter Wetterschacht, der sich zwischen der Mauerstraße in Friedrichsthal und der Bergstraße in den jetzigen Hausgärten befand.
Drei Wetterschächte befanden sich auf dem Grundstück der ehemaligen Stadtwerke Friedrichsthal, des heutigen Stadtbauamtes. Einer davon war unmittelbar unter dem jetzigen Bürogebäude, während die beiden anderen sich im Hofraum befanden.
Zu den letzten acht Schächten ist zu vermerken, daß diese mit Sicherheit nicht dem Schachtbau, gedient haben. Ihre Lage läßt darauf schließen, daß sie lediglich zur Belüftung der alten Stollenbaue dienten, die dieses Gebiet in geringer Tiefe durchzogen. Diese Stollen wurden bereits in den Anfangsjahren des Bergbaues begonnen. Hervorzuheben sind der Friedrichstollen, der seinen Eingang an der Einmündung der Grubenstraße in die Saarbrükker Straße hatte, die Tagstrecke Pluto (begonnen 1820), deren Eingang sich gegenüber der Verbin- dungstreppe von der Mauerstraße in die Bergstraße befand und die Tagstrecke Michael, die an der Kreuzung Posener Straße - Bergstraße in das Erdreich getrieben wurde.
Um die Aufzählung der bekannten Stollen noch zu vervollständigen, seien noch der Grühlingsstollen (begonnen 1856) und die Kettenstollen A und B erwähnt, die sich im Bereich der Grube Helene befanden.

In unserer jetzigen Zeit hat die Steinkohle noch immer eine große Bedeutung für Friedrichsthal. Rund ein Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung der Stadt Friedrichsthal ist im saarländischen Steinkohlenbergbau beschäftigt und verdankt ihm Arbeit und Brot. Leider zeigen sich gerade in unserer Stadt auch viele negative Folgen des Bergbaues. Es gibt kaum einen Quadratmeter Fläche in Friedrichsthal, unter dem nicht zu irgendeiner Zeit Kohlenabbau betrieben wurde, kein Wunder daß an vielen Gebäuden Bergschäden zu verzeichnen sind. Die Wohnungsbautätigkeit in Friedrichsthal war und ist zum Teil heute noch stark eingeengt, denn Grundstücke mit absoluter Bergsicherheit sind wenig vorhanden. Als Energieträger hat die Kohle nicht mehr ihre ehemalige Bedeutung. Doch wird vielleicht unsere Nachwelt uns einmal den Vorwurf machen, die Kohle einfach nur verbrannt zu haben, denn sie ist, besonders in der chemischen Industrie, Ausgangspunkt für so viele Produkte, daß wir hoffen können, daß die Steinkohle ein Faktor für die Wirtschaftskraft unseres Landes und für das Wohlergehen unserer Bevölkerung bleiben wird.
Anmerkungen, Quellenangaben und Literaturhinweise
A. Haßlacher: Der Steinkohlenbergbau des preußischen Staates in der Umgebung von Saarbrücken; II. Teil: Geschichtliche Entwicklung des Steinkohlenbergbaues und Vl. Teil: Die Entwicklung der Arbeiterverhältnisse auf den staatlichen Steinkohlenbergwerken vom Jahre 1816 bis zum Jahre 1903, erschienen 1904 in Berlin.
Dr. Walter Lauer: Die Glasindustrie im Saargebiet, Inaugural-Dissertation, Braunschweig 1922.
Akten aus der Abteilung 22 des Saarländischen Landesarchivs Saarbrücken.
Grenze als Schicksal – 150 Jahre Landkreis Saarbrücken.
Albert Boehm: Das Jahr bei den Unterirdischen, Clausthal-Zellerfeld 1951.Der Autor dankt Herrn Bouillon von der Markscheiderei Reden für die freundliche Mithilfe bei der Lokalisierung der alten Grubenschächte und Stollenbaue.

 

Friedrichsthal-Bildstock-Maybach und der saarländische Steinkohlenbergbau
von Helmut Jakob
(aus "Friedrichsthal-Bildstock-Maybach, Bilder und Dokumente zur Geschichte der Stadt", Friedrichsthal 1975, Selbstverlag des Heimat- und Verkehrsvereins e.V.)